Fahrt zum Kloster Arnsburg und Besichtigung von Schloss und Kirche in Hungen (2017)

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Kloster Arnsburg

Das Kloster Arnsburg ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Wetterau. Jeder war schon einmal da. Wie auch die Teilnehmer/innen des jüngsten Ausflugs des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins. Durch die sachkundige Führung der Vorsitzenden des Freundeskreises Marion Knorr tauchten wir jetzt auch in die Geschichte ein. Das ehemalige Zisterzienserkloster war die „schöne Tochter“ des Kloster Eberbach und mindestens ebenso reich mit vielen landwirtschaftlichen Gütern und einer noch größeren Anzahl von Stadthäusern, die von 1174, dem Gründungsjahr bis 1802, der Auflösung des Klosters, erworben wurden. Während die das Land bearbeitenden Bauern den Zehnten abliefern mussten, war das Kloster von jeder Abgabe befreit.

 

Bei der Auflösung fiel das Kloster an die Grafen zu Solms-Laubach als Entschädigung für Gebiete, die von Napoleon rechtsrheinisch enteignet worden waren. Sie hatten wenig Interesse an der Klosterkirche und gaben sie – nachdem alle Wertsachen entfernt worden waren – zum Abriss frei. Davon machten vor allem die Bauern regen Gebrauch und viele Häuser aus der Gegend sind mit Quadern aus der Kirche errichtet. Bereits 1812 machte der Denkmalschutz dem Treiben ein Ende und verfügte, dass die Kirche so erhalten bleiben muss wie sie damals war, eine wunderschöne halb romanische halb gotische Ruine.

Heutige Klosterruine

Während die Grafen die restlichen Gebäude vermieteten, verfiel die Kirche immer mehr. Die Wende kam 1960. Damals suchte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ein Gelände für eine Kriegsopferstätte und fand sie mit Zustimmung des Grafen im ehemaligen Kreuzgang des Klosters – weltweit einmalig.

Soldatenfriedhof im ehemaligen Kreuzgang

Zur gleichen Zeit gründete sich ein Freundeskreis, der den Schutt beiseite räumte und mit Unterstützung des Landes Hessen und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und vielen Spendengelder und unzähligen Arbeitsstunden der Kirche und den ehemaligen Klostergebäuden das heutige Aussehen verlieh. Im Laufe der Jahre wurden so über 3 Millionen € investiert. Heute ist die Kirche Veranstaltungsort für Konzerte. Das Paradies – der ehemalige Zugang zur Kirche – ist ein beliebter Ort für Hochzeiten. Im ehemaligen Dormitorium finden Ausstellungen statt – alles Aktivitäten, um auch weiterhin Geldmittel zum Erhalt der Anlage einzuwerben. Tief beeindruckt vom ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder des Freundeskreises fuhr die Gruppe weiter nach Hungen.

Hungen

In Hungen fanden sie ein weiteres Beispiel für vorbildliches Ehrenamt im Hungener Schloss. Baubeginn war 1383. Mehrfach wurde an- und umgebaut. Von 1602 an gab es fast für 100 Jahre eine selbständige Grafschaft Hungen. Um 1700 wurde die barocke Fassade angebaut. Seitdem gab es keine wesentlichen Veränderungen. Auch das ist bemerkenswert. Das Schloss wurde zeitweise von den Besitzern, den Grafen Solms-Braunfels, bewohnt. Später wurde es Altenheim und schließlich wohnten dort türkische Gastarbeiter. 1974 bot der Graf dem bereits in einem Anbau des Schlosses wohnenden Prof. Adolf Hampel das mittlerweile desolate Schloss als Geschenk an, da weder die Gemeinde Hungen noch als auch die Kirche aus Kostengründen Interesse zeigten. Hampel nahm an und gründete mit anderen Interessierten eine Eigentümergemeinschaft. Insgesamt wurden 23 Wohnungen geschaffen und das Schloss mit unermüdlichem Einsatz und vielem privatem Kapital weitestgehend in seinen Originalzustand versetzt. Auch hier gründete sich ein Freundeskreis, der in den öffentlich zugänglichen Gemeinschaftsräumen Konzerte, Lesungen und Ausstellungen veranstaltet und mit den Erlösen zur Substanzerhaltung beiträgt. Wie Hampel betonte gab es in den 40 Jahren seines Bestehens keine größeren Konflikte, statt dessen viele harmonische gemeinsame Feiern und Veranstaltungen.

„Schlossbesitzer“ Professor Adolf Hampel erzählt die Geschichte des Hungener Schlosses

Eine Besichtigung der Hungener Stadtkirche und ein leckeres Mittagessen in der Hungener Käsescheune rundeten den Besuch ab. Es war ein Ausflug mit vielen bleibenden Eindrücken, wie die zufriedenen Teilnehmer/innen fanden.