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Vogelsberger Kultur- und Geschichtsverein

Schotten

Vogelsberg

Der Vogelsberg – sanfter Riese aus Basalt

Buckelige Landschaft mit sanften Tälern, kantige Hügel, schroffe Felskuppen und unzählige Quellen laden ein, entdeckt zu werden. Jahrhunderte alte Gassen, Fachwerk, trutzige Mauern, Türme und verwunschene Schlösser nehmen den Besucher mit auf historische Zeitreisen.

15 bis 18 Millionen Jahre ist es her, da spuckte es immer wieder aus zahlreichen Schloten und Spalten. Gewaltige Basaltmassen legten sich übereinander und bildeten ein riesiges Vulkanfeld – den Vulkan Vogelsberg. Er ist in Deutschland der einzige dieser Art und das größte Basaltmassiv nördlich der Alpen Das geologische Naturerbe prägt in charakteristischer Weise das Landschaftsbild des Mittelgebirges und das Leben der Menschen. So gab die Eisenerzverhüttung und –verarbeitung jahrhundertelang Brot und Auskommen in vielen Teilen der Vogelsbergregion. Schon die Kelten schmiedeten ihre Speerspit-zen aus dem im Boden gefundenen Material. Historisches Erbe, die Kraft der Natur und die Menschen haben ein Idyll in der Mitte Hessens geschaffen: Historisch, erlebnisreich und erholsam!

Mit Eröffnung des Landesmuseums „Keltenwelt am Glauberg“, am Übergang von der Wetterau zum Vogelsberg, wird jetzt auch mehr Aufmerksamkeit auf eine der ältesten Kulturlandschaften Deutschlands gerichtet.

Vor allem in der fruchtbaren Wetterau gehen die Spuren menschlicher Besiedlung weit zurück. Die Gräber am Glauberg aus keltischer Zeit mit ihren reichen Grabbeigaben und der Sandsteinstatue eines „Keltenfürsten“ gelangten zu weltweiter Berühmtheit und gaben den Anstoß zum Bau des Museums. Sie sind der spektakuläre Höhepunkt einer bis zur Altsteinzeit reichenden Kette archäologischer Entdeckungen in Wetterau und Vogelsberg.

Premium-Rundwanderwege, wie an eine Perlenkette gereiht, bieten Wanderern jeden Tag ein neues Landschaftserlebnis. Als Hauptwanderweg des Naturparks Hoher Vogelsberg umrundet der Vulkanring Vogelsberg den Oberwald. Er bietet am Saum zum Unteren Vogelsberg immer wieder herrliche Ausblicke und mit 125 Kilometern Potential für eine Wanderwoche am Stück, die quasi überall am Weg begonnen werden kann. Naturgenuss gibt es auch für Radler: entlang von Flüsschen wie der Nidda und auf der Trasse der ehemaligen Oberwaldbahn, die heute auf 94 Kilometer als Vulkanradweg ausgebaut ist.

Im Winter bieten ca. 50 km gespurte Loipen und Abfahrtsstrecken sowie Rodelbahn mit Skilift bei guter Schneelage gute Wintersportmöglichkeiten.

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Auf der Taufsteinloipe

Wie der Vogelsberg zu seinem Namen kam

Einst lebte hoch oben im Vogelsberg ein armer Schmied. Er plagte sich von früh bis spät und konnte doch seine hungrigen Kinder nicht recht ernähren. In seiner Verzweiflung rief er den Teufel des nachts herbei und verschrieb ihm für viel Geld seine arme Seele. Nach drei Jahren sollte sie der Teufel holen dürfen. Allerdings müsse er vorher drei Proben bestehen, die der Schmied ihm auferlegen würde.

Nun hatten der Schmied und seine Familie viel Geld und sie lebten drei Jahre in Saus und Braus. Doch die drei Jahre gingen rasch herum und je näher der Tag kam, an dem der Vertrag mit dem Teufel auslief, wurde dem Schmied immer weher ums Herz

Ruhelos wanderte er im Oberwald umher und wusste nicht wie er dem Teufel beikommen solle. Am nächsten Tag würde er kommen und seine Seele holen. Als er trübsinnig an seinem Amboss stand, kam plötzlich ein buckliges Weib zur Schmiede herein und sagte: „Jetzt stehst Du da, Du Sünder, und bangst um Deine Seele. Versprich mir, dass Du wieder ein fleißiger, ordentlicher Mensch werden willst, dann will ich Dir helfen. Wir spielen dem Teufel einen Streich und Deine Seele soll er auch nicht kriegen“. Der Schmied versprach es.

Pünktlich um die zwölfte Stunde fuhr der Teufel durch die Esse und wollte den Schmied holen. „Aber erst, wenn Du die Proben bestanden hast“, sagte der Schmied, riss sich ein Büschel seiner krausen Haare aus und verlangte: „Schmiede sie mir gerade!“ Der Teufel aber fluchte und warf die Haare in das Feuer.

Nun trat der Schmied an den Amboss. Er begann ein Stück Eisen zu schmieden und fragte den Teufel, was das für ein Werkzeug geben soll. „Eine Schippe wird das“, brüllte er zornig. Der Schmied aber schlug das Eisen über die Kante des Ambosses krumm, so daß es eine Hacke wurde. Die ersten beiden Proben waren nicht bestanden.

Für die dritte Probe führte der Schmied den Teufel in den Garten. Dort saß in einem Baum ein riesiger Vogel. „Was ist das für ein Vogel?“ fragte der Schmied. Der Teufel besah sich den merkwürdigen Vogel von allen Seiten. Nein, solch einen Vogel hatte er noch nie gesehen und konnte ihn nicht erraten.

Der Teufel war also bei allen Proben hereingefallen, wurde außer sich vor Zorn darüber, fuhr mit Geschrei und Gestank in die Luft und verschwand für immer aus der Gegend.

Was aber war das für ein Vogel gewesen?

Bei der letzten Probe musste des Schmied’s Frau behilflich sein. Er hatte sie geheißen, sich in einem Backtrog voll Teig zu wälzen, danach in ein Bett mit Federn zu legen und dann auf den Ast zu setzen.

Die Leute lachten über die Geschichte und nannten die Gegend seitdem den Vogelsberg.

Schottens Geschichte

Der Schottener Ablassbrief von 1330

Die Geschichte des Schottener Ablassbriefes

Der Ablassbrief wurde vor 691 Jahren am 3. Februar 1330 von Papst Johannes XXII in Avignon ausgestellt und von einer kleinen Gruppe Schottener Bürger auf mühsamem Weg zu Fuß und mit Pferden aus Südfrankreich geholt. 

Wenn auch der Ablass und der damit verbundene Handel und Geldtransfer alles andere als im Sinne der heiligen Schriften war und ja schließlich auch zur Reformation und den 95 Thesen von Martin Luther führte, so ist dieses Zeitdokument in meinen Augen eine der wichtigsten Urkunden in der Schottener Geschichte!! Ein Blick auf das Ausstellungsdatum ‐ 3. Februar 1330 in Avignon ‐ führt uns in die Epoche der „Gegenpäpste zu Rom“, aber auch in eine Zeit, als Ablass gang und gebe war. In diesen Jahren war Schotten zweigeteilt, nachdem 1323 Konrad von Trimberg den Teil mit der Alteburg und Gottfried von Epstein das Jagdschloss geerbt hatte. Vermutlich geht sogar die Aufteilung Schottens in 2 Pfarrämter mit 2 Kirchen mit dem Mühlgraben als Grenze zurück. Es war ein kleine, einige hundert Einwohner zählende Ansiedlung – Ackerbau auf dem kargen Boden und Viehhandel waren die wenigen Einkommen.

Natürlich musste der Ablassbrief auch entsprechend teuer bezahlt werden. Doch durch diese päpstliche Urkunde wurde Schotten zu einem Wallfahrtsort und Scharen von Pilgern strömten an 12 ausgewählten Tagen in die Kirche des Heiligen Michael und eine zweite Kapelle, um gegen entsprechende Bezahlung Ablass von ihren Sünden zu erhalten! Die Einnahmen von den Spenden der Pilger waren es aber auch, die Erweiterungen der Kirche ermöglichten. Auf der anderen Seite entstanden um die Kirche herum Gasthäuser und Geschäfte – Schotten wurde immer größer und erhielt schließlich 1354 die Stadtrechte. Somit hatte sich der weite Weg nach Avignon und auch der Kaufpreis des Ablassbriefes in mehrfacher Weise gelohnt.

So gesehen war es eine „Entwicklungshilfe für den Ort“ als sich 1329 Schottener Bürger zusammen mit dem damaligen Gemeindepfarrer aufmachten, bis nach Avignon zu Papst Johannes dem XXII pilgerten und diesen Brief für 40 Tage Ablass holten. Was mag das für eine beschwerliche Reise gewesen sein, wie lange und womit war man unterwegs? Wieviel Geld hatte man für den Kauf dabei, wo hatte man es versteckt? Doch es war ‐ wie die weitere Geschichte zeigt ‐ gut angelegtes Geld, das die Schottener Pilger in das weit entfernte Avignon brachten, um beim Papst den Brief zu erwerben und auch den 13 Kardinälen ihren Obolus für das Hergeben ihres Siegels zu bezahlen.

Auf jeden Fall bewirkte dieser Ablassbrief, dass nun das „kleine Dorf ad scotis in Buchonia“ – urkundlich erstmals 778 erwähnt ‐ zum Wallfahrtsort wurde und zahlreiche Pilger anlockte. Sicher ist auch, dass sie neben dem „Bußgeld“ zum Erreichen eines Ablasses der auferlegten „Sündenstrafen“ – nicht der Sünden – auch noch einiges an Geld für Unterkunft und Verpflegung zurückließen. Also Geld, mit dem man dann wiederum die zunächst viel kleinere Kirche zu ihrer heutigen Größe ausbaute. Aber auch neue Gasthäuser entstanden und der Handel blühte auf.

1351 wurde der Inhalt des „Avignon‐Briefes“ noch einmal durch den „Kleinen Ablassbrief“ erneuert. So war es eigentlich eine logische Folge, dass der immer weiter aufstrebende Wallfahrtsort 1354 die Stadtrechte erhielt und damit auch das Recht zur Abhaltung von Märkten, zum Bau einer Stadtmauer mit Stadttoren, dem Ansiedeln von Zünften und einigen anderen Privilegien mehr.

Leider hatte das Aufblühen der jungen Stadt auch negative Begleiterscheinungen, vor allem in der Form des Raubrittertums, das von den Epsteinern im Schloss ausging. Der Zustrom an Pilgern ging zurück – ja es kam sogar soweit, dass im Jahr 1382 ein 2.500 Mann starkes Heer des Rheinischen Städtebundes einen Angriff auf Schotten unternahm und den Sitz der Raubritter im Schloss zerstörte.

Nur durch die eidesstattliche Verpflichtung aller Schottener Bürger in einer „Unterwerfungsurkunde“, keine Raubritter mehr in ihrer Stadt zu dulden und die Kirche nicht als Festungskirche zu benutzen, konnte das „Schleifen“ unserer Liebfrauenkirche damals verhindert werden.

Restauration des Ablassbriefes

Soviel zum geschichtlichen Hintergrund – nun noch ein paar Informationen zu der „Geschichte dieses Ablassbriefes“, der ja nur ein Faksimile – eine Kopie ist: Der repräsentative Ablassbrief ist ca. 65 cm breit und ca. 48 cm hoch. Den Anfang bildet eine farbig angelegte Zierinitiale, die das Antlitz Christus mit erhobenen blutenden Händen, umgeben von Blatt‐ und Rankenwerk zeigt. Gemalt wurde mit den damals geläufigen Pigmentfarben Kupfergrün oder Malachit, Zinnoberrot oder Mennige und dem violetten pflanzlichen Farbstoff Folium. Der Text des Ablassbriefes wurde in 23 Zeilen auf der geschabten Fleischseite eines Ziegenpergaments mit brauner Dornen‐Tinte geschrieben. Die Schrift ist unterschiedlich kräftig – je nachdem wieviel Tinte die Feder gerade hergegeben hat. Durch das häufige Falten und das nicht immer fachgerechte Aufbewahren entstanden im Laufe der Jahrhunderte ‐ neben dem Alterungsprozess des Pergamentes selber ‐ Risse, aber auch Schmutzablagerungen wie Staub oder Fliegenkot. Unsachgemäße Versuche, die Risse auf der Rückseite mit Tesafilm zu festigen, taten ihr übriges.

Viele Jahre lang lagerte die Urkunde in der „Bibliotheca Schottensis“ im Zimmer des Hauptturmes, ehe er mit ihr im Zentralarchiv der EKHN in Darmstadt eingelagert wurde. Erst im Zusammenhang mit der 1.200 Jahrfeier der Stadt wurde der Brief 1978 zusammen mit den 2 Flügeln des restaurierten Alters im Bonhoeffer‐Haus ausgestellt. Danach schlummerte er viele Jahre zusammengefaltet in einer Pappschachtel im Tresor der Schottener Sparkasse.

Erst nachdem die Stiftung Liebfrauenkirche das schon fertig geplante Projekt „Neue Kirchenfenster“ nach Entwürfen von Hans Stock wegen zu großem Widerstand von Denkmalschutz und „Kunstexperten der Landeskirche“ auf’s Eis legen musste, geriet der Ablassbrief in unser Blickfeld. Entsprechend den Zielen in der Satzung, die Kirche und ihre Kunstschätze zu bewahren, lag es auf der Hand, den in Vergessenheit geratenen Ablassbrief mit einzubeziehen und zu restaurieren.

Mit Barbara Hassel ‐ einer Diplom Restauratorin aus Frankfurt ‐ machte Ellen Wegner eine wirklich fachkundige und wissenschaftlich sehr gut arbeitende Spezialistin ausfindig, die im Mai 2013 nach Schotten kam und sich den Brief ansah. Nach Gutachten und Kostenvoranschlag wurde ihr schließlich im November des vergangenen Jahres die beiden Briefe übergeben und sie machte sich an die langwierige Arbeit.

Nach der Erstreinigung musste das trockene und spröde gewordene Pergament schrittweise befeuchtet werden, ehe es nach langwierigen Reparaturen der Risse und schadhaften Stellen in einer Spannvorrichtung 2 Monate lang getrocknet wurde. Danach erfolgten hochwertige Digitalaufnahmen, die zugleich die Grundlage für die Herstellung dieser Reproduktion waren. Ein Druck auf Pergament schied aus: Original Pergament ist nicht nur sehr teuer, sondern die Farbnuancen des Originals, die ja mit digitalisiert wurden, stimmen nicht mit den anderen Konturen des „neuen Pergamentes“ überein.

Aus diesem Grund erfolgte der Druck bei einer dafür besonders spezialisierten Firma in Köln auf ein besonders beschichtetes Baumwollpapier. Die Qualität des so entstandenen Faksimiles ist von der Optik fast besser als das restaurierte Original, das inzwischen nicht mehr gefaltet in einem Pappkarton, sondern fachgerecht unter besonderen klimatischen Bedingungen wieder im Zentralarchiv der Kirche in Darmstadt eingelagert wurde.

Mit sehr viel Mühe wurden von Frau Hassel und einer bei ihr zurzeit arbeitenden Praktikantin die Siegel und die zum Anhängen benötigten Schnüre hergestellt. Waren diese im Original noch aus Hanffäden, was man heute nicht mehr bekommt, so ersetzte man sie durch mühsam geflochtene dünne Baumwollfäden. Die 6 noch erhaltenen Siegel wurden mit Hilfe eines Silikon‐Abguss‐Materials aus der Zahntechnik reproduziert, mit einer Wachs‐Harzmischung gegossen und danach mit Ruß und Acrylfarben auf alt getrimmt.

Wer noch mehr an Details wissen will, darf sich gerne ein Exemplar der „ARCHIVnachrichten“ mitnehmen. In dieser Fachzeitschrift ist nämlich ein Bericht über unseren Ablassbrief und seine Restaurierung bei Frau Hassel enthalten.

Neben der Präsentation des Ablassbriefes, zu dessen Aufhängung uns Frau Hassel behilflich war, findet man eine von mir auf DIN A3 Pergament‐Imitat gedruckte Übersetzung. Der Originaltext ist in „Mittelalterlichem Latein“ geschrieben mit Dr. Vaal von der Uni Marburg und Dr. Adler im Hess. Staatsarchiv fanden wir zwei Experten, die die Übersetzung anfertigten. (Texte Erwin Mengel – Pfingsten 2014)

 

Die Liebfrauenkirche in Schotten

Schon auf alten Stichen von Schotten fällt die dominant in der Stadtmitte gelegene Kirche auf. Die evangelische Liebfrauenkirche ‐ auch „Dom des Vogelsbergs“ genannt ‐ wurde in der Zeit zwischen 1320 und 1380 erbaut. Zu einer Zeit, in der die von iro‐schottischen Prinzessinnen gegründete Siedlung „ad scotis in buchonia“ [bei den Schotten im Buchenland], wie es in der ersten urkundlichen Erwähnung aus dem Jahr 778 heißt, deutlich weniger Bewohner als heute hatte. Von daher ist die Kirche „Unserer lieben Frau“ eigentlich erheblich überdimensioniert gewesen. 

In diesem Zusammenhang muss man wissen, dass die Verleihung der Stadtrechte durch Kaiser Karl IV. in den Jahren 1354 und 1356 erfolgte und die Kirche von Anfang an als Wallfahrtskirche für eine größere Besucherzahl ausgelegt war. Belegt ist dies durch die beiden Ablassbriefe aus den Jahren 1330 und 1351. Seit 1330 strömten viele Wallfahrer nach Schotten und brachten Geld mit, das den weiteren Ausbau der Kirche ermöglichte. 

Bauhistorisch ist die heutige Kirche aus mehreren zu unterschiedlichen Zeiten entstandenen Baukörpern zusammengesetzt. Ausgang war eine quadratische Hallenkirche im östlichen Bereich mit einem Chorraum. Über der Vierung der Halle gab es bereits den mächtigen 54 m hohen leicht nach Süd‐Westen geneigten Turm. Wahrscheinlich wurde damals auch eine bereits vorhandeneromanische Kirche in den Neubau mit einbezogen.

Eigentlich wollte man die Kirche, dem Vorbild der Marburger Elisabethkirche und der Kirche von Friedberg entsprechend, noch weiter ausbauen und dabei ein Turmpaar im Westen errichten. Durch das Unwesen Schottener Raubritter ausgelöst, gingen die Wallfahrten zurück und der Geldstrom versiegte. 1382 wurde Schotten vom rheinischen Städtebund erobert, was auch das Ende der Bauperiode bedeutete. Man versah den wuchtigen Westbau mit einem Querdach und schloss ihn an den alten quadratischen Kirchenbau an. Die ursprünglich groß geplanten zwei Westtürme kamen nicht mehr über das untere Geschoss hinaus. Um 1400 dürfte der Bau seine bis heute sichtbare Form erhalten haben. (Erwin Mengel) 

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Marktstraße mit Liebfrauenkirche um 1900

Veröffentlichungen

Veröffentlichungen

Dorfleben im Vogelsberg

Ehemalige Textilindustrie in Schotten

1984 erschien das 3. Heft des Vereins zum Thema „Von Wollwebern, von der Tuchmacherzunft und der Textilindustrie in Schotten“ von dem Mitglied Erich Rühl.  Dieses Gewerbe spielte bis in die 70iger Jahre eine große Rolle im Schottener Geschäftsleben. Alte Geschichtsbücher berichten, dass bereits im Jahre 1431 ein Schottener Wollweber und ein Frankfurter Bürger einen Rechtsstreit hatten. Aus diesem Grunde hatte damals Hermann Riedesel den Beistand des Rates zu Frankfurt erbeten – der Ausgang des Prozesses ist nicht bekannt.

Wie der Strom nach Schotten kam

Das 4. Heft (1991) berichtet über den mühsamen Weg wie der Strom im Jahre 1913 nach Schotten kam und wurde 1991 von Frau Henny Hysky-Dambmann herausgegeben.
22 Jahre brauchte man vom ersten elektrischen Licht, erzeugt von einem Dynamo (1891) bis endlich im August 1913 elektrisches Licht in Schotten erstrahlte.
Forstmeister Dr. Karl Weber aus Schotten hatte sich als Landtagsabgeordneter stark für die Stromversorgung Oberhessen eingesetzt. Dass er von seiner Idee überzeugt war, beweist folgende Tatsache:
Beim Umbau seines Wohnhauses in Schotten (heutiges Museum) ließ er bereits 1906 bis 1908 in mehreren Räumen hinter Stuckdecken Leerleitungen für elektrisches Licht legen, die erst am 11. August 1913 die Jugendstillampen mit Strom versorgten.

Vogelsberger Auswanderer in Rußland

Um ca. 1765 sind aus Schotten und Umgebung zahlreiche in Armut und Not geratenen Familien dem Manifest der russischen Kaiserin Katharine II. gefolgt und haben sich an der Wolga angesiedelt. Dieser Bericht schildert die dortigen Verhältnisse, wie sie die Umsiedler vorgefunden haben.

Das im November 1993 herausgegebene Heft beschäftigt sich mit den Vogelsberger Auswanderern in Russland und basiert auf einer von Lehrer Georg Kromm aus Jagodnaja an der Wolga im Jahre 1910 im Kreisblatt veröffentlichten Artikelserie.

Geschichte der Juden in Schotten

Dieses Heft wurde 1996 herausgegeben. 
Um 1830 gab es in Schotten laut Statistik 127 erwachsene Juden und auf einer Liste von 1933 erschienen 85 Namen. Neben einer Synagoge gab es in Schotten jüdische Lebensmittel- und Textilgeschäfte, eine Lederhandlung, Kolonialwaren- und Viehhändler, eine Metzgerei und einen Kaufmann für technische Bedarfsartikel. Fast alle jüdischen Familien hatten Haus- und Grundbesitz, lebten meist in guten Verhältnissen und waren angesehen Bürger der Stadt Schotten.

Ehemalige Synagoge in der Vogelsbergstraße 146, Schotten
Die Dokumentation über die Verlegung von 76 Stolpersteinen in Schotten ist im Vogelsberger Heimatmuseum erhältlich
Eingang zum jüdischen Friedhof in Schotten
Die "Initiativgruppe Stolpersteine" mit Hans Otto Zimmermann, Elke Schmidt, Manfred Schlosser und Frank Eckhardt (v.l) stellte ihre Dokumentation am 17. März 2022 in der Stadtverordnetenversammlung Schotten vor (Foto KA 23.3.22)

Die Erinnerung wach halten

Die Initiativgruppe „Stolpersteine Schotten“ hat ein Buch herausgegeben Es beinhaltet einen Rückblick auf die Stolpersteinverlegungen in Schotten, Einartshausen und Rainrod. Ehrenbürgermeister Hans Otto Zimmermann und Pfarrer Frank Eckhardt stellten das kleine Werk der Öffentlichkeit vor. Zu dem Kern der Initiativgruppe gehören auch die frühere Vorsitzende des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins, Elke Schmidt, und Manfred Schlosser.

Hans Otto Zimmermann sprach von einem „vorläufigen Abschluss“ in dem Bemühen, an das Leben und die Schicksale ehemals jüdischer Mitmenschen in Schotten und den beiden Stadtteilen zu erinnern und daran wachzuhalten. Miteingeschlossen sind dabei auch ehemalige Mitbürger, die durch Denunziation oder irgendwelche andere Geschehnisse in die Mühlen der Nazis und der geheimen Staatspolizei geraten waren.

Die Aktion Stolpersteine hatte in Schotten im Jahr 2013 begonnen. Damals stimmten die Stadtverordneten dem Unterfangen zu. Schon 1996 hatten Henny Hysky-Dambmann und Hermann Enders in einem Beitrag in dem Buch „Schotten und seine Stadtteile im Wandel der Zeiten“ sich mit dem Leben der Juden befasst. „Da war in mir die Idee geboren, dass etwas Dauerhaftes geschaffen werden müsste, um die Erinnerung an diese Mitbürger in Schotten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“, so Zimmermann. Einen Weg zur Umsetzung habe dann 2013 der Bericht über die erste Verlegung von Stolpersteinen anlässlich des 75. Gedenktages der Reichspogromnacht vom 9. und 10. November 1938 aufgezeigt.

„Auch wir entschlossen uns, Stolpersteine für von den Nazis verfolgten, gedemütigten und ermordeten ehemaligen Mitbürgern zu verlegen. Unseren Antrag, dies im öffentlichen Bereich vor den Häusern zu tun, stimmten die Stadtverordneten zu“, erinnert der Ehrenbürgermeister. Somit habe die umfangreiche Recherchearbeit beginnen können.

Erschwerend sei die Tatsache gewesen, dass im städtischen Archiv die alten Einwohnermeldekarteien entfernt waren. „Das ist vermutlich schon während der Naziherrschaft geschehen“, betonte Zimmermann. „Jetzt ging das große Suchen los.“

Durch die neuen technischen Möglichkeiten des Internets konnte die müßige Datensuche zum großen Teil von zu Hause aus durchgeführt werden. Andererseits hätten kaum noch Zeitzeugen befragt werde können. Wichtige Datenquellen waren das „International Center on Nazi Presecution“ in Bad Arolsen, das Bundesarchiv Gedenkbuch über die Naziverfolgten (Koblenz) und die Datenbanken der Internationalen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. „Außerdem haben uns einige betagte Bürger Schottens geholfen, die allerdings jetzt leider alle verstorben sind“, so Zimmermann im Rückblick auf die Recherchearbeiten. Ein großes Problem sei es oftmals gewesen festzustellen, wo sich der letzte freiwillige Wohnsitz der Personen in Schotten befunden hatte. „Durch unsere Beharrung und unermüdliche Hartnäckigkeit, aber manches Mal auch durch Zufall, konnten wir nach und nach die erforderlichen Daten erfassen“, so Zimmermann.

Von Sommer 2014 bis Ende 2019 wurden insgesamt 76 Stolpersteine durch den Künstler Gunter Demnig, dem Träger des Projektes in mehreren Ländern, verlegt. Davon 62 in Schotten, sechs in Einartshausen und acht in Rainrod. „Von Anbeginn schwebte uns auch vor, über das Verlegen der Stolpersteine ein kleines Buch herauszugeben“, so Hans Otto Zimmermann am Ende seiner Ansprache.

Frank Eckhardt schilderte die Hauptintention des Druckwerkes. „Wir wollten die auf den Stolpersteinen abgebildeten Daten mit Leben füllen. Ich glaube, das ist uns mit dem Buch ganz gut gelungen.“ Es sei der Wunsch gewesen, anhand von Texten, alten Fotos, Geschäftsanzeigen oder anderen originalen Dokumenten etwas tiefer in die Lebensgeschichte der ehemaligen jüdischen Mitbürger einzutauchen. Das können die Leser des Buches jetzt nachvollziehen. Es enthält genaue Lageskizzen, an welchen Stellen in Schotten, Einartshausen und Rainrod die Stolpersteine verlegt wurden. Auf den quadratischen Messingplättchen, die auf einem Betonwürfel angebracht sind, sind jeweils die Namen beziehungsweise Geburtsnamen, der Geburtsjahrgang und das weitere Schicksal vermerkt. Dazu gehören „Flucht“ oder „unfreiwillig verzogen“, aber auch „deportiert“ und „ermordet“ mit – soweit bekannt- einer näheren Datums- und Ort-Angabe. In dem Buch werden die Abbildungen der Stolpersteine mit den bei den Recherchen zusammengetragenen Daten der jeweiligen Lebensgeschichten ergänzt.

Das 136 Seiten umfassende Druckwerk ist kostenlos in der Stadtbibliothek und bei der Tourist-Information im Vulkaneum erhältlich. Ermöglicht wurde die Gestaltung und der Druck des Werkes von mehreren Sponsoren, die auch das Verlegen der Steine finanziert haben. Die Initiativgruppe bedankt sich dafür bei einigen Privatpersonen sowie bei der Aktion „Demokratie leben“, Regionalgruppe Laubach-Schotten, der Sparkasse Oberhessen, der VR-Bank Main-Kinzig-Büdingen, der Jagdgenossenschaft Schotten dem Evangelischen Dekanat Schotten und den Ortsbeiräten von Schotten, Einartshausen und Rainrod. Der Dank gilt auch Andreas Schwalb, der Sets für das von Zeit zu Zeit notwendige Reinigen der Stolpersteine zur Verfügung gestellt hat.

Die Herausgabe des Buches, so Eckhardt, bedeute eine gewisse Zäsur, sei aber noch nicht das Ende der Aktion. „Wir finden immer noch neue Daten. Auf unserer Namensliste stehen noch acht weitere ehemalige Schottener Bürger.“

Der Schottener Flügelaltar

Von Henny Husky-Dambmann und Dieter Resch

Im Jahre 2001 folgte die Veröffentlichung über den „Schottener Flügelaltar“ von Frau Henny-Hysky-Dambmann und Dieter Resch (Heft 7). Die Bilder des Hochaltars gehören zu den Hauptwerken der spätgotischen Malerei. Die Altarbildtafeln in der Schottener Liebfrauenkirche entstanden Ende des 14. Jahrhunderts. Der unbekannte Künstler wurde nach seinem Hauptwerk auch „Schottener Meister“ genannt.

Aus dem Vorwort

Der Maler Anton Glaser

Gemeinsam mit Erwin Mengel, bei dessen Eltern der Künstler Ende der 1940er Jahren wohnte, wurde dieser Band 8 2013 herausgegeben. Erwin Mengel trug die Bilder aus vielen Privatbeständen zusammen.

Durch seinen Bruder Paul, der am Gymnasium in Schotten Kunst unterrichtete, hatte Anton Glaser bereits in den 1930er Jahren eine Verbindung zu Schotten. In dieser Zeit entdeckte der Kunstmaler seine Liebe zu den vielen verträumten Ecken und Winkeln des Vogelsbergstädtchens, sowie schöne Blicke in die Landschaft um Schotten. Als er 1944 durch die Bombardierung von Mainz seine Wohnung verlor, fand er in Schotten eine zweite Heimat. Er lebte von der Malerei und so ist es verständlich, dass in vielen Häusern Schottener Familien seine Bilder zu finden sind. In Schotten wurden sie auch hin und wieder als „Wurstbilder“ tituliert, fand doch ihre Bezahlung in der schlechten Kriegszeit häufig durch Naturalien statt.

Einige in Aquarell oder Öl gemalte Bilder alter Ansichten, die im Treppenhaus des Heimatmuseums zu finden sind, waren der Kern einer Ausstellung, die der Vogelsberger Kultur- und Geschichtsverein im Sommer 2013 präsentierte. Dass es gelang, derart viele Bilder aus dem Werk Anton Glasers für eine Ausstellung zusammenzutragen, ist das Verdienst von Erwin Mengel und den Leihgebern der Bilder, die ihre Schätze für die Dauer der Ausstellung zur Verfügung stellten.

Historisches Rathaus ins Schotten

Das Kriegsende in Schotten

Schottener Ortsnamen

Zwischendurch erschien noch eine kleine Broschüre über „Schottener Ortsnamen“ auf der Grundlage von alten Akten und Kirchenbüchern.
In jeder Stadt oder Gemeinde gibt es Namen, die immer wieder vorkommen.So kann man oft schon durch die Namen erkennen, wo die betreffende Person herkommt wie Buss aus Betzenrod, Mettenheimer aus Eichelsachsen, Frank aus Rudingshain usw. (vergriffen)

 

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