Die Hofreite, die im Mittelpunkt des Roman steht, ist unter dem heutigen Namen Auenlandhof für Hülsbömer und seine Frau Melanie zur zweiten Heimat geworden. Das Ehepaar leistete nach dem Kauf 2017 auf dem Stark renovierungsbedürftigen Hof Grundsanierung.
Das hat Hülsbömer auf die Vergangenheit neugierig gemacht, auf die Menschen, die früher dort lebten. Und tatsächlich ist der „Winterling“-Held, Johannis Edler als erster Besitzer des Hofes im Dauernheimer Pfarrarchiv als Bauer und Färber nachgewiesen.
Lesen und Erzählen gehen bei Hülsbömer auf fesselnde Weise ineinander über. Er knüpft an die Nachkriegserfahrungen der älteren Zuhörer an, an Ruinenlandschaften, Familienbilder mit Trauerband, aber auch an Care-Pakete und Marshallplan: „Wir betrachten den zweiten Weltkrieg als schlimmste Katastrophe, er hat in besonders betroffenen Gebieten schätzungsweise 20 % der Bevölkerung das Leben gekostet.“
Die Situation nach dem Dreißigjährigen Krieg war unvorstellbar schlimmer. Im deutschen Kerngebiet waren bis zu 75 % der Bevölkerung in Kämpfen, an Misshandlungen und Krankheiten gestorben. Dauernheim hatte 1618 noch 600 Einwohner, 1670 nur noch 100.
Das von jeder wirtschaftlichen Realität abgelöste Leben des Adels, die „Nervenzufälle“ der Landgräfin, weil der Samt eines Prunkbettes nicht die gewünschte Lindgrün-Schattierung hat, ist nicht Hülsbömers Fantasie entsprungen. Die hohe Dame hatte ein Tagebuch geführt, dass von einer Historikerin transkribiert und als Buch veröffentlicht wurde.
Dem Luxus des Adel steht der buchstäbliche Überlebenskampf der Bauern und Handwerker gegenüber, aber auch die Klugheit und Zähigkeit Edlers und seiner jungen Frau Anna.
Wer sich auf die detailreiche und berührende Weise mit der Regionalgeschichte des 17. Jahrhunderts auseinandersetzen will, wird an diesem historische Buch seine Freude haben.