Mit dem Kultur- und Geschichtsverein geht es ins Städel nach Frankfurt. Die Sonderausstellung „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“ widmet sich der künstlerischen Entdeckung des an der Alabasterküste der Normandie gelegenen Fischerdorfes Étretat im 19. Jahrhundert und dessen Einfluss auf die Malerei der Moderne.
Die Ausstellung vereint neben Werken von Eugène Delacroix, Gustave Courbet, Claude Monet und Henri Matisse eine Vielzahl weiterer wichtiger Positionen der modernen und zeitgenössischen Kunst – von Johann Wilhelm Schirmer und Eugène Le Poittevin über Camille Corot und Eugène Boudin bis hin zu Elger Esser. Gemeinsam verdeutlichen die Arbeiten die anhaltende Faszination, die dieser Ort bis heute ausübt.
Étretat spielte eine bedeutende Rolle bei der Entstehung einer neuen Malerei, die als Impressionismus in die Kunstgeschichte einging. Das Interesse der Künstler galt vor allem der charakteristischen Klippenlandschaft, die zugleich als aufregend schön und bedrohlich wahrgenommen wurde. Immer mehr Maler und Schriftsteller, später auch Fotografen, reisten nach Étretat und machten den abgelegenen Ort durch ihre Werke über die Grenzen Frankreichs hinaus berühmt. Mit der zunehmenden touristischen Erschließung um 1850 entwickelte sich Étretat zu einem beliebten Seebad und zu einem Treffpunkt für Künstler, Intellektuelle und das Pariser Bürgertum. Monet schuf in Étretat über 80 Gemälde. Er schärfte wie kein anderer Maler den Blick auf Étretat und prägte den Ort in eindrucksvoller Weise als Zentrum des Impressionismus, weswegen das Städel sich für den Titel „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“ entschied.
Das Bild von Eugène Le Poittevin hält das neue Phänomen des Wellenbadens im Meer als Therapie für diverse Beschwerden fest. Aus lokalen Fischern wurden Badegehilfen, hier an ihren roten Hemden zu erkennen, die beispielsweise die Gäste mit Leiterwagen so weit ins Meer hinausschoben, bis diese von erhöhten Sprungbrettern ins Wasser hüpfen konnten. Eine Besonderheit war, dass sich Frauen nicht wie in anderen Kurorten in abgegrenzten Bereichen aufhalten mussten. Das machte Étretat besonders beliebt.
Zur gleichen Zeit machten reich illustrierte Reiseführer Étretat überregional bekannt, und die Küste entwickelte sich zu einem beliebten Ziel für Touristen. Eugène Le Poittévin (1806–1870) zeigte in seinem Panorama Seebad in Étretat (1866) den frühen Badetourismus und feierte mit seinen Gemälden im Pariser Salon große Erfolge, die Étretat vor allem beim städtischen Publikum populär machten. Le Poittévins Blick richtete sich auch auf den Alltag der Fischer, den er in romantisierenden Darstellungen wiedergab.
Henri Matisse prangert in die damals schon beginnende Umweltverschmutzung als eine der negativen Folgen des Massentourismus an.
Text angelehnt an die Dokumentation von Diether von Goddenthow /RheinMainKultur.de