Jahresfahrt des Vogelsberger Kultur- und Geschichtsvereins nach Schloss Weißenstein in Pommersfelden, nach Augsburg, Rundfahrt zu Stätten des bayrischen Barock und Rokoko und eine Stadtbesichtigung in Friedberg vom 23. bis zum 26. Juli 2026

  • Beitrag veröffentlicht:

Die erste Station unserer diesjährigen Jahresfahrt ist das Schloss Weißenstein in Pommersfelden. Nach knapp drei Stunden erreichen wir das Schloss. Durch seine abgelegene Lage blieb es im 2. Weltkrieg verschont. Der beeindruckende Bau mit Haupt- und zwei Seitenflügeln gilt heute als Gesamtkunstwerk des fränkischen Barock. 

Schloss Weißenstein in Pommersfelden

Bauherr war Lothar Franz Graf von Schönborn. Als Kurfürst und Erzbischof von Mainz war er zugleich Reichserzkanzler und galt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten seiner Zeit. 

Der Kurfürst war zugleich ein Förderer der schönen Künste und sammelte Kunstwerke aller Art. Davon zeugt die historische Gemäldesammlung im Schloss. 

Augsburg

Augsburg ist nach Trier die zweitälteste Stadt Deutschlands mit einer spannenden Geschichte. Von hier aus beherrschten die Römer Süddeutschland. München war nur ein „elendes Dorf.“ Später kamen dann die Fugger, die es mit dem Handel der von vielen kleinen Webern erzeugten Textilien zu immensem Reichtum brachten. In Augsburg wurde Leopold Mozart geboren, Vater Johann Wolfgang Amadeus aber auch Bert Brecht. Seit 2019 ist die Stadt UNESCO Welterbe der Wasserkunst. 

St. Anna Kirche, die Grabeskirche von Jacob Fugger, erbaut von Hans Holbein dem Jüngeren

Eugen Berthold Friedrich Brecht

Ein besonderes Erlebnis war ein Stadtrundgang mit Berthold Brecht. Wir treffen uns am Rathausplatz und laufen abwärts zur Unterstadt, dem ehemaligen Arbeiterviertel. An einer Ecke treffen wir auf den Schauspieler Erik Völker im schwarzen Ledermantel, mit Schiebermütze und etwas schäbigen schwarzen Lederschuhen bekleidet. Er raucht eine dicke Zigarre und stellt sich uns als Eugen Berthold Friedrich Brecht vor, geboren am 10. Februar 1898 in Augsburg. 

An fünf Stationen zu denen uns Bettina jeweils führt, berichtet Erik Völker unter dem Pseudonym Eugen Berthold Friedrich Brecht über dessen Leben.

Ich bin Eugen Berthold Friedrich Brecht

Rundfahrt zu Stätten des bayrischen Barock und Rokoko

Kloster in Thierhaupten

Südfassade

Unsere erste Station ist das ehemalige Benediktinerkloster Thierhaupten. Die erste Bauphase datiert wohl aus dem 10. Jahrhundert. Nach der Legende ist die Mönchsniederlassung eine Stiftung des bayrischen Herzogs Tassilos III. (um 741). Er hatte sich auf einer Jagd verirrt. Von einer Hirschkuh zu seiner Jagdgesellschaft zurückgeführt, gelobte er an jener Stelle ein Kloster erbauen zu lassen.

Im Klostermuseum wird auf Wandtafeln die Geschichte des Klosters erzählt. Ein besonderes Schmuckstück ist der Tassilo-Liutpirc-Kelch (770-780) von dem hier eine Kopie ausgestellt ist. Den aus feuervergoldetem Kupfer gefertigter Messkelch sollen Herzog Tassilo und seine Frau Liutpirc ursprünglich der Salzburger Bischofskirche gestiftet haben. 

Die Inschrift auf dem Fuß des Kelches verweist auf die Stifter: „Der tapfere Herzog Tassilo und Liutpirc von königlichem Geblüt.“ Es wird also die vornehme, königliche Herkunft von Liutpirc betont. 

Tassilo-Liutpirc-Kelch

Klosterkirche Holzen

Die Klosterkirche der ehemaligen Benediktinerabtei Holzen nördlich von Augsburg zählt zu den schönsten Barockkirchen Schwabens. 

Kirche und Kloster blicken auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Auf Zeiten des Wohlstandes folgten kriegsbedingte Zerstörung und Verarmung.

Nach der schweren Zerstörung im 30-jährigen Krieg durch die Schweden Ende des 17. Jahrhunderts wurden Kirche und Kloster vollkommen neu gebaut. Die Klosterkirche St. Johannes der Täufer wurde 1710 geweiht. 

Die barocke Innenausstattung der Klosterkirche erschlägt uns fast mit ihrer überbordenden Pracht, von der ich hier nur einige Beispiele nenne. Sie entstand zwischen 1723 bis 1743 unter der besonders kunstsinnigen Äbtissin Maria Benediktion von Remchingen. 

Klosterkirche Holzen: Blick zum Hochaltar

Wallfahrtskirche Biberbach

Biberbach ist Barockkirche mit Rokoko-Elementen. Die Stilrichtung des Barock (etwa 1600 bis 1730) möchte beeindrucken und überwältigen. Das Rokoko (1730 bis 1780) ist eleganter und verspielter. Diese Stilrichtung möchte bezaubern und erfreuen. Kennzeichnend sind helle Pastellfarben, Muschelornamente, Blumenmotive und eine heitere Atmosphäre. 

Die Kirche besitzt mit dem „Herrgöttle“ von Biberbach eine Besonderheit. Es ist ein schlichtes spätromanisches Holzkruzifix (um 1220) ohne Dornenkrone. Der gekreuzigte Christus steht auf einen Sockel. Es befindet sich seit dem 16. Jahrhundert an diesem Ort und löste rege Wallfahrten im 17. und 18. Jahrhundert aus.

Die Neubau und spätere Umgestaltung zu einer Rokoko-Kirche wurde aus den reichlich fließenden Einkünften der Wallfahrten zum „Herrgöttle“ finanziert. Tausende Pilger kamen jährlich nach Biberbach und spendeten Geld und wertvolle Votivgaben. 

Das Biberbacher „Herrgöttle“

Kloster Oberschönenfeld

Die Zisterzienserinnen-Abtei ist bis heute ein aktives Kloster. Die Nonnen gestalten ihren Tag nach der benediktinischen Regel „Ora et labora“. Als ein „Kloster auf Zeit“ gibt es für Frauen die Möglichkeit, das Ordensleben kennenzulernen. Auch werden kulturelle Veranstaltungen und Konzerte veranstaltet sowie Gottesdienste, Exerzitien und Einkehrtage.

Die barocke Klosteranlage entstand zwischen 1721 und 1729. Während der Baukörper mit seiner klaren Form eindeutig dem Barock angehört, wurde die Innenausstattung der Klosterkirche einige Jahrzehnte später, vor allem ab 1768 im Stil des späten Augsburger Rokkoko vollendet. Die Abtei selbst beschreibt das übergeordnete Programm der Kirche als „Verherrlichung Gottes in seiner Menschwerdung“. Das zeigt sich auch am Beispiel der beiden Deckenfresken.

 

Die Geburt Christi, 1768
Anbetung der Hirten, 1768

Die Deckenfresken, der feine Stuck und die heitere, lichte Wirkung machen die Abteikirche zu einem der schönsten Rokkokokirchen Bayrisch-Schwabens.

Friedberg 

Friedberg ist die Nachbarstadt von Augsburg. Sie  wurde im 13. Jahrhundert von den Wittelsbacher Herzögen von Bayern als bayrische Grenz- und Festungsstadt gegenüber dem schwäbischen Augsburg geplant und gegründet, um den Lechübergang zu sichern und Zölle zu erheben. Der Lech bildete die Grenze zwischen zwei Herrschaftsgebieten: Bayern und Schwaben. Alle wichtigen Handelswege von München, nach Augsburg und weiter Richtung Ulm und Italien führten über den Lech. Diesen Übergang wollten die Herzöge kontrollieren, um Zölle auf wertvolle Waren wie Salz, Wein und Tuch zu erheben. Als Friedberg 1264 gegründet wurde, war Augsburg eine freie Reichsstadt und unterstand direkt dem Kaiser. Sie war damals eine der reichsten Städte Europas. Die Zollabgaben an die Bayern passten den Augsburgern nicht. Sie beeinträchtigten ihren Handel. So waren Friedberg und Augsburg über Jahrhunderte zwar enge Nachbarn, aber oft auch erbitterte Konkurrenten.

Innenhof des Wittlbacher Schlosses

Die ursprüngliche Stadtanlage mit ihrer Hauptstraße, dem zentralen Marienplatz und Resten der Befestigung sind bis heute gut zu erkennen. Sehenswürdigkeiten sind der historische Marktplatz mit dem Rathaus, die gut erhaltene Altstadt mit ihren Uhrmacherhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert und das Wittelsbacher Schloss.

Historisches Wandbild im Sitzungssaal des alten Rathauses

Im Mittelalter lebten die Friedberger vor allem vom Handel, Handwerk, Landwirtschaft und den Einnahmen aus dem Zoll beim Lechübergang. Später entwickelte sich Friedberg zu einer bedeutenden Uhrmacherstadt. Klöster in der Umgebung wie Oberschönenfeld oder Thierhaupten (uns seit gestern bekannt) und die Nähe zu Augsburg beeinflussten das religiöse und wirtschaftliche Leben der Stadt.

Erinnerung an die Uhrmacherstadt Friedberg