Fahrt nach Waldeck und zum Edersee (Mai 2026)

Bei kaltem aber trockenen Wetter  fahren wir nach Waldeck und zum Edersee. Mit Blick auf das Grafenschloss erzählt unser einheimischer Fremdenführer Herr Dietz Wissenswertes über die Geschichte des Schlosses. Bis 1655 war Schloss Waldeck Residenz der regierenden Grafen von Waldeck. Danach zogen sie um nach Arolsen in das Residenzschloss Arolsen. Das  Schloss Waldeck wurde später für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt. Heute ist es ein Hotel. Der Ort verlor durch die Residenzverlegung bis in die Neuzeit an Bedeutung, blieb aber weiterhin Namensgeber der Grafschaft.

Grafenschloss Waldeck

Wir besichtigen die Evangelische Stadtkirche. Die Hallenkirche spätgotischen Charakters ist eines der historisch bedeutendsten Gebäude im Waldecker Land.

Besonders bemerkenswert ist der mittelalterliche Schnitzaltar aus dem Jahr 1483. Mit gemalten Flügeln (Vorderseite- und Rückseite) stellt er die Krönung der Maria da. Als Himmelskönigin und Gottesmutter war sie die beliebteste Heilige im Spätmittelalter. Der  Sockel des Altaraufbaus – die Predella – zeigt Christus mit den zwölf Aposteln, die ihre Attribute in den Händen tragen. Die Flügelinnenseiten sind Darstellungen aus dem Marienleben: die Verkündigung an Maria und die Anbetung der Heiligen Drei Könige.

Die Altarrückseiten  sind Darstellungen des Heiligen Valentin und der Heiligen Ursula sowie das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen in einer seltenen Darstellung. 

Mittelalterlicher Schnitzaltar (Foto Kirchenführer)

Bei dem Rundgang durch die historische Altstadt mit ihren schönen Hausfassaden und kleinen Gassen erfahren wir Weiteres zur Geschichte von Waldeck.

Um 1500 war Waldeck „nur“ ein Dorf mit Stadtmauer und rund 300 Einwohnern. Es lag damit hinsichtlich Größe und Wirtschaftskraft hinter Bad Wildungen und Korbach zurück. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts betrug die Einwohnerzahl lediglich rund 400.

Es gibt Hinweisschilder zur historischen Vergangenheit wie zum Städtischen Brauhaus, zum 52 Meter tiefen Brunnen, der 1751 von zwei Gefangenen in den Fels gehauen wurde (einer starb und der andere erblindete), vom Haus des Schweine- und Ziegenhirten und vom Beinhaus. Zu jeder Tafel wusste unser Stadtführer eine Geschichte zu erzählen.

Tiefer Blick in den Brunnenschacht

Zum Abschluss unserer kleinen Stadtführung laufen wir entlang der ehemaligen Stadtmauer mit Blick auf den Edersee.

Unter uns der Edersee

Am Nachmittag machen wir eine Schiffsfahrt auf dem Edersee.

Edersee und oben das Schloss Waldeck

Wir erhalten über den Bordlautsprecher einige Informationen über den Bau der Staumauer. Der Stausee entstand ab 1914 mit dem Bau der Staumauer von 1908 bis 1914. Die Dörfer Asel und Bringhausen wurden an höher gelegene Orte neu errichtet. Zahlreiche Einzelgehöfte und wurden überflutet, ebenso Friedhöfe, deren Grabstellen mit Betoneinfassungen versehen und nummeriert wurden. Bei Niedrigwasser kann man sie erkennen, wie auch die Durchfahrt einer Schleppbahn.

Die Talsperre sollte die Wasserentnahme für die Speisung des Mittellandkanals aus der Weser bei Minden ausgleichen. Außerdem dient der aufgestaute See dem Hochwasserschutz an der unteren Eder, der unteren Fulda und Weser sowie der Energiegewinnung.

Staumauer des Edersees

Am 17. Mai 1943 wurde die Ederstaumauer bei einem Angriff der Briten stark beschädigt. Durch die Explosion entstand in der Mauer eine halbkreisförmige Öffnung von etwa 22 m Höhe und an der Mauerkrone 70 m Länge. Durch diese strömten durchschnittlich 8000  Wasser pro Sekunde aus – insgesamt rund 160 Millionen m³, was rund 80 % des Speicherraums ausmachte. Hunderte Häuser sowie Fabriken, Eisenbahnstrecken, Straßen, Brücken und Bäume wurden stark beschädigt, zerstört oder weggespült. Angaben über die Anzahl der Menschen, die in der Wasser-, Schlamm- und Schuttwelle unterhalb der Edertalsperre ihr Leben verloren sind widersprüchlich. Die Zahlen schwanken zwischen 47 und 68 Todesopfern.

Staumauer nach dem Bombenangriff